Bildung als soziale Frage des 21. Jahrhunderts – 62. Bundesdelegiertenversammlung des RCDS in Berlin
Vom 13.-15. März fuhren wir – sieben RCDSler aus Hamburg – zur Bundesdelegiertenversammlung des RCDS nach Berlin.
Im Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Bundesgeschäftsstelle, kamen Vertreter aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen, um gemeinsam die Bildungspolitik des RCDS zu besprechen und mit hochrangigen Vertretern aus Politik und Gesellschaft zu diskutieren.
Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, MdB (CDU), folgte dem politischen Leitbild der Bildungsrepublik Deutschland und hob die Bedeutung der Vernetzung der verschiedenen Bildungsinstitutionen hervor. Die Übergänge vom Elternhaus zum Kindergarten, von dort zur Grundschule, zu den weiterführenden Schulen und von dort zu den Hochschulen und zur betrieblichen Bildung müßten weiter verbessert werden. Das größte Potential läge in der frühkindlichen Bildung.
In Hamburg ist dies schon lange erkannt. Schon die CDU-Bildungssenatorin Dinges-Dierig schaffte die Voraussetzungen für erhebliche Verbesserungen insbesondere bei der Sprachförderung im Vorschulalter. Vieles von dem, was die Grüne Goetsch nun als ihr Werk preist, ist in Wahrheit Verdienst schon der CDU-Alleinregierung bis 2008.
Schavan kam einer alten RCDS-Forderung entgegen, wenn sie nun die ZVS stärker auf die Orientierung an den Interessenen der angehenden Studenten verpflichtet. Hochschulen müssen ihre Studenten selbst auswählen dürfen. Und Studenten müssen nach dem Abitur rechtzeitig wissen, wann sie wo mit ihrem Studium beginnen können.
Zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung auszugeben, ist ebenfalls eine Forderung des RCDS, die sich die Ministerin zu eigen machte. Der RCDS setzt sich dafür ein, Exzellenz in Forschung und Lehre zu fördern, und weiß Schavan hinter sich.
Der Minister für Wissenschaft und Forschung Baden-Württembers, Prof. Dr. Peter Frankenberg (CDU), betonte zurecht die naturgegebenen biologischen Grenzen der Akademisierung und deutete den Bologna-Prozeß folgerichtig weniger als Internationalisierungsstrategie denn primär als Antwort auf die höhere (formale) Akademisierung der Bevölkerung. Er bekannte sich klar zu Studiengebühren – auch und gerade als Mittel, soziale Gerechtigkeit herzustellen. Sichergestellt sein muß lediglich, daß niemand aus vernünftigen wirtschaftlichen Gründen am Studium gehindert wird. Viel Zustimmung erhielt Frankenberg auch für sein entschiedenes Eintreten für die Grundlagenforschung, die nicht mit Verwertungszwängen erstickt werden darf. Die grenzenlose Neugier des Menschen als Triebfeder für Erkenntnis und Fortschritt zu beflügeln, zugleich aber ethische begründete Grenzen zu setzen, ist die schwierige Herausforderung an den Gesetzgeber.
Frankenberg forderte eine Verstetigung der Exzellenzinitiative. Unter Beifall definierte er die Wettbewerbsfunktion der Förderung im klaren Kontrast zum anglo-amerikanischen Hochschulraum wie folgt: “Wir wollen keinen Erbadel und keine selbstdefinierte Ivy-League, sondern eine Bundesliga mit Aufstiegs- und Abstiegschancen.”
Mit Blick auf die Einführung von Bachelorstudiengängen, die vielfach durch Absenkung der Anforderungen erkaufte Erhöhung von Abiturienten und Studentenquoten verwies Frankenberg auf ein Pilotprojekt der Universität Konstanz, wo vor dem Bachelor ein einjähriges, breiter angelegtes Vorstudium angeboten wird. Um diese Angebote in den Bachelor zu integrieren, müsse die von den Bologna-Vereinbarungen gar nicht vorgegebene starre Höchstdauer der Bachelor-Studiengänge in Deutschland flexibilisiert werden. Frankenberg bemängelte außerdem die vielfach zu spezielle Ausrichtung vieler Bachelor-Studiengänge.
Uns Hamburger freute besonders Frankenbergs Offenheit gegenüber einer Reform der Juristenausbildung, für die wir uns seit langem einsetzen.
Neben den inhaltlichen Debatten, Antragsberatungen und Bundesvorstandswahlen sind die Bundeskongresse des RCDS immer auch eine besondere Gelegenheit, Mitstreiter und Gleichgesinnte aus dem ganzen Bundesgebiet zu treffen und gemeinsam zu feiern.
Was die RCDS-Veranstaltungen von denen anderer Gruppierungen unterscheidet, ist ihre klare Wertegrundierung. Es ist nur ein äußeres Indiz, aber es sagt viel: Während auf den Versammlungen der Grünen Jugend die Frage der Kannabis-Legalisierung nicht nur diskutiert, sondern gelegentlich auch ausgekostet wird, während die Linskspartei-SED-Extremisten alte Diktatoren verklären und neuen Diktatoren zujubeln, die FDP-Liberalen Freiheit mit Beliebigkeit und Verantwortungslosigkeit verwechseln und die Juso die “Internationale” trällern, vergewissern wir uns unserer Fehlbarkeit auf christlich-ökumenischen Andachten und beschließen unsere Versammlungen mit der deutschen Nationalhymne.








